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DINNER-ON-THE-RUN - Anekdoten - Mein erstes Dinner


Mein Kochpartner staunte nicht schlecht, als ich am Samstag des DINNERS mit Menü-Karten anrückte, die ich eigenhändig am PC erstellt hatte.
Dabei hätte er sich das denken können, schließlich war er es gewesen, der mir von anderen Gastgebern berichtete, die bereits diese Idee verarbeitet hatten.
In Zeiten des Individualismus war ich natürlich stolz auf mein Ergebnis, denn alles, was wir in unserem Hauptgang anbieten wollten, hatte ich schriftlich aufgeführt.

Anhand der Menü-Karte, die gleichzeitig unser Einkaufszettel war, füllten wir den Einkaufswagen. Das klappte erstaunlich gut, wir fühlten uns in unserer Arbeitsweise und den vorausgegangen Vorbereitungen wirklich bestätigt. So etwas puscht erstaunlich schnell das Selbstbewusstsein. Dass wir uns nicht auch noch auf die Schulter klopften und uns sagten, was für ein Glück es ist, dass zwei so gut strukturierte Typen wie wir zusammen kochen dürfen, war das Einzige, was gefehlt hat. Aber ich bin mir sicher, dass mein Kochpartner innerlich genauso mit sich zufrieden war wie ich auch.

Die Menü-Karte machte während des Einkaufens aufgrund des steigenden Identifikationsgrads einen erheblichen Karrieresprung. Als unsere Vorlage befolgten wir ihre Reihenfolge der Zutatenaufstellung gewissenhaft und hochmotiviert. Unser Hauptgang sollte ein asiatisches Fisch-Fondue werden und das Einkaufen weckte Vorfreude auf den Gaumengenuss und eine angenehme Atmosphäre.

Fast fertig mit unseren Besorgungen, standen bloß die Getränke noch auf dem Plan. Wir gingen also entschlossen zum vorgesehenen Regal. "Pflaumenwein", zeigte die Menü-Karte. Passt ja nun auch hervorragend zum chinesischen Abendessen. Eine gute Wahl. Na ja, FAST. Denn leider ließ uns das Getränkeregal des Supermarktes definitiv im Stich. Unser Blick ging von links nach rechts, von oben nach unten. Doch leider wird durchs Suchen noch lange kein Produkt herbeigezaubert. Ich sah schon innerlich die aufgeklebte Überschrift über der Menü-Karte, aus Bildzeitungsbuchstaben ausgeschnitten: "Vom Supermarkt betrogen!!"

Aber da kannte ich meinen Kochpartner schlecht. Er hörte nicht auf, sinnierend auf das Regal zu schauen. Er blubberte irgendwas von "mixen" und "schütteln". Ich wollte schon sagen, dass es mich freuen würde, dass er letztes Wochenende einen Cocktail-Workshop beigewohnt habe, aber dass es uns heute mehr helfen würde, wenn er Hobby-Zauberer sei.

Glücklicherweise bezog er mich in seine Überlegungen mit ein, BEVOR ich diese respektlose Bemerkung vom Stapel ließ. Der Herr wollte dazu übergehen, einen Pflaumenwein selbst zu kreieren. Mit den Flaschen, die hier im Regal standen. Nee, schon klar: "selbst ist der Mann". Doch leider stand ich genauso fraglos wie vorher vor den Getränken und glotzte dämlich aus der Wäsche. Denn auch mit dem besten Willen konnte ich keine annehmbare Alternative aufdecken. Es macht sich einfach schlecht, zum chinesischen Essen französischen, deutschen oder italienischen Rotwein zu servieren. Was wäre das denn für ein empörender Stilbruch!! Erst tolle Karten entwerfen und sich dann nicht daran halten können. So was kennt man ja!!!

Aber nein, das hatte mein Mitkocher ja auch nicht im Sinn. Er wollte "panschen", "etwas zusammenschütten", um doch noch einen Pflaumenwein zu bekommen. Währenddessen fragte ich mich, ob der Typ doch Hobby- Zauberer oder zumindest Fan von Harry Potter, Herr der Ringe und Co. sei. Aber eigentlich hatten wir eh keine andere Chance. Nur leider wollte mein Hirn sich immer noch nicht bequemen, mir eine Eingebung zu schicken. Meinem Partner aber irgendwie leider auch nicht, denn plötzlich schleppte er diese Flasche "Pflümli" an. Ernsthaft, das Zeug heißt so und erinnert mich immer an meine ersten Alkohol-Erfahrungen im zarten Teenie-Alter. So langsam wurde mir das "Experiment" doch zu absurd. Womit will er das mischen? Ach ja, mit trockenem Sherry. Na, warum nicht? Sind ja fast Geschwister, die zwei Flascheninhalte, Blutsbrüder um genau zu sein. Ich protestierte, aber richtige Alternativen hatte eben auch ich nicht zur Hand.

Zurück am Herd mussten wir uns eben der Herausforderung stellen. Wir waren bereits mit allem einverstanden und unser Erfindergeist zum Leben erweckt. Ausgerüstet mit Messbecher, Probiergläschen und Trichtern fingen wir an, die beiden Getränke in einen leckeren Pflaumenwein zu vermischen. Nach mehreren Anläufen und noch mehr Probieren stieg nicht nur unsere Stimmung, sondern wir kamen einem zufriedenstellenden Ergebnis immer näher.

Wie wandelbar Getränke sind, kann ich von nun an bezeugen und dass Pflümli und Sherry doch tatsächlich mindestens verschwägert sind und hervorragend miteinander harmonieren, wenn sie im Verhältnis 2:3 zueinander stehen, fanden sogar unsere Gäste (die wir selbstredend nicht über die wahre Zusammensetzung des Aperitifs aufklärten und die das Getränk wirklich für Pflaumenwein hielten...)



Anmerkung:
Diese Geschichte wurde aufgeschrieben von Ari Post.
Ähnlichkeiten mit lebenden Personen und Gegebenheiten sind nicht nur zufällig, sondern beabsichtigt.
Die Geschichten haben sich so (oder zumindest so ähnlich) abgespielt und sind nach bestem Wissen und Gewissen nacherzählt worden....